Wann ist ein Mann ein Mann

Männer denken einmal am Tag an das Römische Reich, aber ich nicht. Was ist da los? Ein Tag mit Rappern, Maskulinisten und Coaches auf YouTube, Instagram und TikTok auf der Suche nach der neuen, alten Männlichkeit.

Fleisch 75, Sommer 2025
Text: Johann Voigt

Was stimmt nicht mit mir? Es ist neun Uhr morgens, und ich bemerke, dass ich die letzten Wochen schon wieder nicht ans alte Rom gedacht habe. Ein TikTok-Meme offenbarte 2023 jedoch, dass sehr viele Männer einmal am Tag ans Römische Reich denken. Ich frage mich: Wer sind die?

Kaiser und Gladiatoren haben mich nie sonderlich interessiert, und irgendwie geht es, denke ich, doch immer auch um Männlichkeit und ums Kämpfen, wenn andere Männer im Internet über das alte Rom sprechen. Ich beschließe, mir einen Tag lang den Content von Männern anzusehen, die sich aufs alte Rom beziehen – Videos, Podcasts und Posts von Maskulinisten, Rappern und Onlinemarketing-Bros. Macht mich das nach einem Tag zu einem anderen Mann?

Mehr Selbstbewusstsein wäre nicht schlecht, denke ich, öffne meinen Laptop und sehe: Aufgepumpte Körper, dieses eigenartige Boss-Gehabe, diese Autovertreter-meets-Kickboxer-Hemdsärmlichkeit. Wenn ich an das alte Rom denke, lande ich irgendwann immer bei Kollegah, dem selbst ernannten Kaiser Nero, dem Boss der Bosse und Imperator mit  einem antrainierten Körperpanzer, wie ihn schon Klaus Theweleit für soldatische Männer ohne jegliche Selbstreflexion beschrieben hat. Er war lange Zeit einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Rapper. Die einen hielten ihn für ein Sprachgenie, die anderen für einen Antisemiten. Wahrscheinlich ist an beidem etwas dran.

Vor allem aber sagt er mit jedem Wort: Ich bin ein MANN. Das hat sicher auch mit seiner Liebe zu römischen Kaisern zu tun, die übrigens sehr viel älter ist als der TikTok-Hype. Kann ich etwas von seiner Musik abhaben?

Frauen sind nur Beiwerk, lerne ich. Echte Männer prügeln sich, und der Stärkste steht über allen. Ich bin seit knapp 20 Minuten online und jetzt schon genervt und etwas angeekelt.

Allein das Video zu Kollegahs Song „Nero“: Kolle im kaiserlichen Geschmeide, stehend auf einem Sockel. „Nero“ bezieht sich hier nicht nur auf den brutalen römischen Kaiser Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus, der, so sagt man, womöglich einen Großbrand gelegt hatte, nur um sich einen neuen Palast bauen zu können.

Für Kollegah ist es noch mehr, ein Akronym: „Nicht zu ficken“, „Ehrgeiz“, „Rache“, „Ohne Gnade“. Das jedenfalls rappt er in der Hook, und das passt zu meiner persönlichen Erfahrung mit dem sogenannten Boss der Bosse. Ich bekomme ein bisschen Gänsehaut, aber nicht im guten Sinne, und merke, wie billig diese Musik eigentlich klingt, die so viele junge Männer beim Erwachsenwerden begleitet hat.

Frauen sind nur Beiwerk, lerne ich. Echte Männer prügeln sich, und der Stärkste steht über allen. Ich bin seit knapp 20 Minuten online und jetzt schon genervt und etwas angeekelt. Das letzte Mal geprügelt habe ich mich in der fünften Klasse, und Frauen abzuwerten war nie mein Ding. Kollegahs Album „Jung, brutal, gutaussehend“, zusammen mit Farid Bang, habe ich als Teenager trotzdem gehört. Heute frage ich mich, ob das irgendeine Kompensation war, weil mich weder das Fitnessstudio noch Gewaltorgien sonderlich interessiert haben und ich eher schüchterner Beobachter war. Wie er das meint, ist immer die eine Frage. Warum man es hören will, die andere.

„Kid, du wirst beim Anblick meines Maybachs bewusstlos /
Ich leb‘ in Reichtum und Luxus, wie Kaiser Augustus“,
tönt es aus meinen Laptopboxen.

Stichwort Kaiser. Während ich mir das so anhöre, denke ich an das „Alpha Mentoring“. Es ist 2019 und Kollegah bietet damals zusammen mit der dubiosen Coachingfirma Baulig Consulting besagtes Online-Programm an. Das Versprechen: „Dich fuckt ab, dass du keine Kohle hast, dich fuckt ab, dass du nicht glücklich bist in der Beziehung, dich fuckt ab, dass du ein Lauch bist. All das können wir hinkriegen – und zwar in relativ kurzer Zeit.“ Männer in der Krise sind als Thema ja auch nicht erst mit Andrew Tate um die Ecke gebogen.

Ich bin 194 Zentimeter groß, wiege 78 Kilogramm, bin damit ein zertifizierter Lauch – und zwar glücklich in meiner Beziehung, aber Kohle: naja. Also rein da, in die römisch-disziplinierte Coachingwelt mit griechischem Namen. Wir erleben einen Rapper und ein paar Coaches aus Koblenz, die ihre Jünger darauf einschwören, zu einer Elite zu gehören. Echte Männer, die die Wahrheit kennen und keine verweichlichten Schlafschafe sind. Und das alles nur, weil sie mehrere Tausend Euro für ein Coaching bei ihrem Lieblingsrapper ausgeben, das hauptsächlich darin besteht, ihm und anderen fragwürdigen Gestalten ab und zu in Videocalls zuzuhören und sich gegenseitig in einer Facebook-Gruppe mit Bizeps-Emojis zu bestätigen.

Das „Alpha Mentoring“ wurde nach der Recherche eingestellt. Experten bewerteten es als unseriös und sektenähnlich. Kollegah verbreitete Verschwörungstheorien, knöpfte seinen hörigen Fans Geld  ab – und dachte, das war das Schlimme daran, in seiner kaiserlichen Hybris wohl wirklich, dass er etwas Gutes tut. Als wir einmal undercover mit ihm im sogenannten Bosscall sitzen, da ist er ganz der nahbare Motivator.

Das Mentoring hat gezeigt, wie anfällig junge Männer - im Mentoring gibt es übrigens ein selbst auferlegtes Masturbationsverbot - für die Erzählung sind, dass Abhärtung und emotionale Kälte sie zu echten Kriegern werden lässt. Denken sie deshalb so oft ans alte Rom? Fühlen sie sich bei toxischer Männlichkeit wirklich so viel besser aufgehoben, statt sich der komplizierten Welt da draußen mit Neugierde zu nähern?

Von Kollegahs Programm sind online nur mehr Spuren zu finden, aber es gibt unzählige Coaches, Podcaster, Incels, Maskulinisten, die einem in nicht enden wollenden Videos erzählen, wie man erstens ein richtiger Mann und zweitens sehr reich wird. Stundenlang klicke ich mich durch. Sie eint, dass sie Männer als die Stärkeren betrachten. Einige von ihnen driften in Verschwörungsideologien ab, andere unterstützen rechte Parteien und würden am liebsten im Stile von Javier Milei den Staat abschaffen. Es ist eine Subkultur, die sich da seit Jahren im Internet bildet, als Gegenpol zu aufgeklärten, sich als Feministen verstehenden Männern, und ich bin gerade mittendrin.

In meinem Gehirn beginnt schon nach knapp einer Stunde das, was die Gen Z so treffend als „Brainrot“ bezeichnet. Da verrottet gerade irgendwas.

Zum Beispiel ist da der ehemalige Fitness-Influencer Karl Ess. Ein Mann nahe dem Wahnsinn. Ich klicke mich durch seine Videos, höre den auftrainierten Typen, Mitte 30, Glatze, schreien und die AfD bewerben, sehe ihn in seinem Sportwagen (ein Bentley Speed, „weil Geld liebt Geschwindigkeit, lahmarschig gibt’s kein Cash“) sitzen – und in meinem Gehirn beginnt schon nach knapp einer Stunde das, was die Gen Z so treffend als „Brainrot“ bezeichnet. Da verrottet gerade irgendwas. Bei Karl Ess fehlt jeglicher moralischer Kompass, bei mir fehlen ein paar Gehirnzellen.

Karl Ess, der Pumper mit Rechtsdrall, vergleicht in einem Video mit dem Titel „Ist Andrew Tates Matrix wirklich echt? Bist du ein moderner Sklave?“ Sklaverei mit Lohnarbeit. Kurz frage ich mich, ob da nicht doch ein verkappter Linker vor sich hin philosophiert, aber schnell wird klar, dass seine Kritik an Lohnarbeit keine antikapitalistische ist.

Karl Ess argumentiert, dass sich früher nur Gladiatoren durch ihre Kämpfe aus dem Sklaventum befreien konnten. Die modernen Gladiatoren befreien sich dagegen mit Marketing, Sales und einem eigenen Business. Um aus der Matrix auszubrechen, bietet Karl Ess Coachings an. Eine Gladiatorenausbildung quasi – alles online natürlich.

Ich ziehe weiter, es fehlt ja nicht an Angebot, der Algorithmus lässt einen ja nicht verhungern, wenn der Brainrot erst einmal eingesetzt hat, und von Karl Ess zum Rudel. Eine Art Pfadfindercamp für Männer, die schon mit 18 Worte wie „skalieren“ benutzen und mit der Rolle des Mannes im 21. Jahrhundert nichts anfangen können.

Die Instagram-Biografie sagt alles, und als ich das lese, verrottet mein Gehirn ein Stückchen mehr: Die letzten Wölfe der Wildnis – vereint zur Jagd, zur Wahrhaftigkeit & zur Freiheit Das Portal für 6-, 7- & 8-stellige Unternehmer Spürst du den Ruf?

Naja, noch nicht so wirklich, denke ich und scrolle weiter. Auf dem Account sehe ich auffällig viele Männer, die ihre Oberkörper präsentieren. Es geht ums Überleben in der Wildnis, um „Bruderschaft“. Feuer brennen, nackte Oberkörper, Berge, Strand, nackte Oberkörper, Gewehre, nackte Oberkörper.

Der Anführer des Rudels, erfahre ich in einem der Clips, ist Angelo. Seine Geschichte geht so: Früher, da war er viel auf Partys und machte Bodybuilding, um gut auszusehen. Dann wagte er den alles verändernden Schritt und zog nach Australien. Mittlerweile ist ihm viel Brusthaar gewachsen, sein Körper definierter, und er ist laut eigener Aussage erfolgreicher Unternehmer. Auf einem Foto posiert er mit einem Gewehr. Darauf steht  geschrieben: Er stelle sich jeder Schlacht, er erschaffe ein Imperium. Das klingt dann wieder ziemlich römisch, denke ich – und klicke weiter.

Es ginge, schreibt Angelo, in letzter Konsequenz darum, irgendwann in modernen Stämmen zu leben, „in Villen, Burgen, Dörfern auf der ganzen Welt“. Und vorher: „pushen zu maskuliner Exzellenz“. Und irgendwie kann ich die Männer ja ein bisschen verstehen, ähnlich wie die „Alpha Mentoring“-Teilnehmer: Alles ist kompliziert, die Online-Beschallung überfordert, die Diskurse switchen immer schneller, darum kapseln wir uns ab mit unseren Liebsten.

„Bildet Banden“, „Macht kaputt, was euch kaputt macht“, alternative Wohnkonzepte entwickeln, Kommunen quasi. Wüsste ich nicht, dass diese Männer das Gegenteil von feministisch und Libertäre bis in die Haarspitzen wären, ich könnte sie fast für ein paar linke Träumer auf der Suche nach einer besseren Zukunft verstehen, nur mit sehr viel Muskeln. Aber nichts da. Ich bin frustriert.

Eigentlich spricht das Rudel nicht so gern mit Journalisten. Das Magazin „Stern“, das die Gruppe begleiten durfte, erfuhr aber, dass sich die Männer auch für Elon Musk und Andrew Tate interessieren. Letzterer wurde in Großbritannien wegen Vergewaltigung, Menschenhandel und Gewalt gegen Frauen angeklagt und saß aus denselben Gründen bereits in Haft. Die Feeds vom Rudel, aber auch von Kollegah, sind vor allem eine Demonstration von körperlicher Stärke. Beide eint, dass sie die Gesellschaft zwar für verweichlicht halten und sich für eine Elite, deswegen aber trotzdem nicht permanent andere abwerten müssen. Diese Männer, lerne ich, sind konservativ, sehnen sich nach klaren Rollenverteilungen und Anerkennung, aber sie sind keine Rassisten und zumindest nach außen auch keine Frauenfeinde.

Wer hat diese Männer so ruiniert, frage ich mich. Wie kann man sein eigenes Selbstbild auf so viel Ablehnung stützen? Es scheint kein entspanntes Leben zu sein als reaktionärer Rom-Fan.

Es sind mittlerweile knapp 30 Grad in meinem Zimmer, ich schreibe diesen  Text und gelange so langsam in den Gladiatoren-Modus – Stichwort Selbstständigkeit. Im Vergleich zum Rudel, zu Kollegah und zu Karl Ess fände ich eine vom Arbeitgeber bezahlte gesetzliche Krankenversicherung aber eigentlich ganz gut, auch wenn mich das weder zu einem Gladiator noch zu einem echten Mann macht. Denn es ist gut möglich, dass ich in meinem 

Arbeitszimmer kollabiere, wenn ich noch mal zu Liegestützen ansetze, um auszusehen wie diese ganzen Alpha-Männer. Die definierten Männerkörper schwirren mir durch den Kopf, aber ich entscheide mich dazu, es für heute erst einmal beim Sklaven-Mindset zu belassen, ohne die Vorteile des Sklavendaseins genießen zu können. Ich begebe mich weiter auf Terrain, das nicht mehr nur Brainrot, sondern auch echten Ekel auslöst.

Zuerst lande ich bei Philip Hopf und Kiarash Hossainpour, die mit „Hoss & Hopf“ einen der erfolgreichsten Podcasts in Deutschland verantworten. Die beiden sind ebenso wie Karl Ess rechtslibertär, lehnen staatliche Regulierung ab, sehen die Gesellschaft als verweichlicht an und sind auch sonst anfällig für Verschwörungstheorien. Heute, sagt Philip Hopf in einem Video, da würden alle rumheulen, weil ihnen der Popo wehtut. Früher sei das anders gewesen.

Dann switcht Hopf zum Römischen Reich, erzählt ehrfürchtig vom „Mittelpunkt der Welt“, der in allen Belangen überlegen gewesen sei – von Toiletten bis zum Militär. Der Grund für das Ende dieses Weltreiches? Für Hopf eine klare Sache: Migration. Ich klicke mich von Video zu Video, springe von Podcast zu Podcast und denke mir nur: Klar, ergibt Sinn, dass Hopf das so sieht. Migration ist für die beiden nämlich auch in der Gegenwart ein Störfaktor – im Übrigen genauso wie Feminismus oder linke Politik grundsätzlich. Es ist der Schulterschluss der Rom-Fans mit Parteien wie der AfD. Es geht hier nicht mehr nur ums Mann-Sein, es geht um die Abwertung vermeintlich Schwächerer generell.

Und als schwach sehen diese Leute auch alle, die Schutz suchen, also vor allem Geflüchtete. Wer hat diese Männer so ruiniert, frage ich mich. Wie kann man sein eigenes Selbstbild auf so viel Ablehnung stützen? Es scheint kein entspanntes Leben zu sein als reaktionärer Rom-Fan.

Ich schmelze vor meinem Laptop und mein Kopf ist voller blöder Gedanken. Während ich zur Erholung noch mal „Nero“ von Kollegah höre, was mir im Vergleich zu dem, was ich die Stunden darauf gesehen habe, seltsam harmlos vorkommt, gebe ich einen Namen in die Suchleiste ein, der mein Hirn endgültig zum Platzen bringen wird. Gewissermaßen der Endgegner der Rom-Männer: Andrew Tate.

 

Von „Hoss & Hopf“ unterscheidet ihn, dass er ein Krimineller ist – und ein Menschenfeind dazu. Klickt man sich durch seine Tausenden Tweets, Posts und Videos, offenbart sich eine Welt, in der Frauen nur noch bloße Objekte sind und Tate der Allmächtige höchstpersönlich ist. Natürlich bietet auch er teure Coachings an. Ich stoße auf einen Tweet. Ich bin müde und lasse mir den Text ins Deutsche übersetzen. Eigenständiges Denken scheint nach all dem Content nicht mehr möglich zu sein, über Rom weiß ich trotzdem nichts, über Männer nur so viel, dass ich mich am besten von ihnen fernhalten sollte. Und über meine eigene Männlichkeit? Mh.

Tates Tweet jedenfalls klingt wie ein Gedicht aus der Hölle:

„Männer denken ständig an das Römische Reich, weil wir davon
besessen sind, wie die Dinge im Leben funktionieren.
Warum das Römische Reich? Weil es allumfassend ist.
Das Römische Reich war extrem groß und komplex, aber dennoch brutal effektiv. Ästhetisch schön. Militärisch erfolgreich, wirtschaftlich brillant.
Es gab Verrat und Brüderlichkeit.
Es gab Reiche und Sklaven.
Es ist die erste vollständig erforschte und bekannte Periode der antiken Geschichte, mit der wir genaue Vergleiche ziehen können.
In vielerlei Hinsicht waren sie genau wie wir.

(…)

Wenn Frauen den Untergang des Römischen Reiches verstehen würden, würde sich ihre gesamte Politik ändern. Aber Frauen denken nicht über das Römische Reich nach. Ehrlich gesagt: Frauen denken überhaupt nicht über vieles nach.“

Männer denken ans alte Rom, weil sie sich nach einer technisch hoch entwickelten Welt sehnen, die auf Unterdrückung und der Macht des Stärkeren basiert, denke ich und würde am liebsten für immer offline gehen, aber der Text muss fertig werden. Ich bin ein Gladiator, sage ich mir dreimal und gehe mit letzter Kraft zurück auf die Website des Rudels. Ich klicke wie in Trance auf den Button „Zur Warteliste“.

„Wo liegt dein Jagdrevier?“
„Immobilien“, schreibe ich.
„Wie groß ist deine Beute? (Aktueller Jahresumsatz)?“
„250.000 - 500.000 Euro“, antworte ich.
„Wie stark fühlst du den Ruf, Teil des Rudels zu werden?“
Eine Skala von 1 bis 10 poppt auf und ich klicke auf 10.

Ich schließe den Laptop und eine Leere macht sich in mir breit. Meine Augen sind verklebt, meine Synapsen auch, innerlich spüre ich gar nichts mehr. Ich lege mich ins Bett, schließe die Augen und nehme mir vor, nie wieder ans alte Rom zu denken. Halt, letzte Energie, Laptop auf. Ich tippe: Falco – Junge Roemer. Falco, der Obermacho, aber auch Falco, dieser irgendwie androgyne Dandy. Ich höre ihn singen und im Video tanzen Männer und Frauen gleichwertig nebeneinander und die Körper sind nicht breit gebaut und es gibt keine Gewalt, nur Freude und die Outfits der Männer, die sind: feminin? Das Video ist aus den 80ern, der Content, den ich die letzten Stunden gesehen habe, maximal zehn Jahre alt.

Es macht mich traurig, aber auch glücklich, diese Männer zu sehen, diese anderen Männer, die mir näherstehen als jeder römische Kaiser. Ich frage mich, ob Kollegah, Andrew Tate oder die Rudel-Macker jemals richtig getanzt haben.

 

Erschienen in Fleisch #75
Toga-Party - Das alte Rom ist wieder modern
Sommer 2025

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