Wir haben alles richtig gemacht

Fleisch 

55

 – 

Frühjahr

 

2020

Cover: Pia Moana Scharler


Cover von Fleisch #55

Nach Ischgl: Die große Fleisch-Schönrede-Compilation. 

Jeder baut mal Scheiße, das ist wirklich kein großes Ding. Ein Getränk zu viel, einmal zu lange nachgedacht, zu wenig nachgedacht, eine Person falsch angeschaut, einen Job angenommen und dabei nur aufs Geld geschaut oder eben gerade nicht: Scheiße passiert, jedem von uns, immer wieder mal. Aber andererseits sollte man da wirklich vorsichtig sein. Denn wer sagt überhaupt, dass es Scheiße war?

Genau das eine Getränk hat dem Abend schließlich erst zu einer bleibenden Erinnerung verholfen, die Person war den Versuch wirklich wert und das mit dem Nachdenken, sorry, das ist einfach immer überbewertet. Am Ende ist Scheiße doch auch nur ein soziales Konstrukt. Und sind wir vor vielen Jahren nicht auch losgezogen, um genau dieses kulturell tradierte Verhalten endlich hinter uns zu lassen? Stürzt das System und scheißt auf die Wohlfühlzonen!

Eben.

Scheiße ist eine Tochter der Zeit, das hat vor einiger Zeit mal Sigi Maurer gesagt. Oder war es doch dieser andere Tiroler Polit-Philosoph, wie hieß er doch gleich, genau: Andreas Khol? Was heute super ist, das ist morgen daneben, und was vor einem Jahr noch scheiße war, das ist heute Koalitionsmeinung (nicht zu verwechseln mit der Privatmeinung, die kann manchmal nämlich ziemlich daneben sein, Anm.). Die, die gut allein sein können, waren früher die Freaks, heute sind sie Rolemodels, genauso ist es mit der JVP, vor fünf Jahren haben sie im Polohemd noch zu „Griechischer Wein“ getanzt, heute regieren sie das Land, und die Typen, die keine Freunde hatten außer ihren Computern, verdienen heute so viel wie fünf von uns gemeinsam.

Scheiße ist manchmal eben doch Gold.

So gesehen haben wir immer alles richtig gemacht.

 

Euer Fleisch


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Christian Seiler: Eine nackte Frau auf die profil-Titelseite heben

Hasnain Kazim: Sich als Anti-Kicker im Fußballverein einschreiben

Doris Knecht: Instant-Ramen verdammt super finden

Julya Rabinowich: In Shapewear zum Date gehen

Constantin Luser: Einen falschen Strich machen

Kurdwin Ayub: Sich mit Anfang 20 die Nase operieren lassen

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Claus Pándi: Eine große Geschichte nicht erkennen

Vea Kaiser: Zu viele Männer gedatet haben

Ralf Beste: Mit der Limousine zum offiziellen Termin fahren, obwohl die anderen mit dem Rad kommen

Christoph Wagner: Kein Bücherregal besitzen (jetzt, wo man sich so schön davor setzen könnte)

Janina Lebiszczak: Die wirklich falschen Typen gut finden

Rainer Nowak: Turnschuhe zum Anzug tragen

Amira Ben Saoud: Die Psychotherapie doch lieber sein lassen

Maresi Riegner: Fertig studieren, aber die Bachelorarbeit nicht abgeben

Konstantin Filippou: Sich drei Paar gleiche Schuhe kaufen – auf einmal

Lisa Edelbacher: Urlaub in Turkmenistan machen

Robert Treichler: Das Angebot, Geheimagent zu werden, abgelehnt haben

Luna Al-Mousli: Keine Lust auf den grantigen Opa haben

Eva Zar: Sich dauernd selbst fotografieren

Benjamin Koffu: Sich nie ein Netzwerk aufgebaut haben

Jonas Vogt: Sich einen großen rosa Donut auf den Oberarm stechen lassen

Sara Geisler: Einen drei Meter breiten PAX mit Spiegelfront kaufen

Martin Grubinger: Sich darauf verlassen, dass es die Besten schon richten, weil sie die Besten sind

Sepp Schellhorn: Einen sexistischen Vergleich bringen

Thomas Glavinic: Das Leben

Markus Huber: Sich selbstständig machen und ein Garagenmagazin gründen

Heinz-Christian Strache: Auf Ibiza ein paar Vodka-Bull zu viel getrunken haben