Die Erinnerung ist eine großartige Einrichtung, denn lange vor Instagram hat sie die Bedeutung von Filtern schon erkannt. Sie blendet Katastrophen aus, lässt die unschönen Nebengeräusche weg und gibt den schönen Dingen oft deutlich mehr Raum, als sie damals, als sie noch Gegenwart waren, wirklich hatten. Früher war halt schon alles immer ziemlich super, besser, natürlicher und menschlicher und irgendwie auch gescheiter. In den ganz stillen Momenten klopft dann manchmal eine kleine Ahnung: Früher waren wir, na ja, halt auch noch jung. „Fuck, waren wir jung“, denken wir uns, wenn wir dann alte Fotos rausklauben aus den verstaubten Kisten. Und damit sind keine iMacs gemeint. Und fuck, was war da alles noch möglich. Das Schlimmste am Älterwerden ist, dass sich die Möglichkeiten, was aus dem Leben noch werden könnte, so kontinuierlich verflüchtigen.
Also lasst uns einfach mal die Zeit anhalten, lasst uns erinnern
und gedenken. 2018 ist ein super Zeitpunkt dafür, 2018 ist das Supergedenkjahr. 100 Jahre Republik, 80 Jahre „Anschluss“, 50 Jahre 1968. Rund um die Uhr wird erinnert und gedacht, so sehr, dass endlich auch auf ORF III die Sendezeit knapp wird und Heinz Fischer als Zeremonienmeister des Gedenkens mehr Stress bekommt als in den Jahren seit 1998 insgesamt.
Apropos 1998. Eigentlich war das ein super Jahr. Wir sollten uns daran erinnern. Jetzt.