text - Martina Bachler


McFit

Kategorie: Body&Soul / Entertainment
Gesehen: Wien, Graz, Klagenfurt und sogar in anderen Ländern auch


McFit ist immer für dich da, 24 Stunden an sieben Tagen die Woche. Keine Ahnung, warum die das so machen, vielleicht nur, um damit eine positive Grundstimmung zu vermitteln, weil man sich so was vielleicht unbewusst wünscht, so eine örtliche Alternative in jeder Lebenslage. Wirklich super ist McFit aber, weil es der Hofer unter den Fitnesscentern ist: Es ist günstig und sauber, und es ist alles da, was man braucht, wenn man einfach nur ein bisschen trainieren will. Ohne Räucherstäbchengeruch aus dem Meditationsraum, ohne den großen Knall, wenn die Rhythmik der African-Dance-Klasse mal wieder die Polka-Techno-Prägung aus dem Gleichgewicht geworfen hat.

mcfit

Bei McFit geht es um nichts anderes als das Essenzielle, also darum, dass jeder das tut, was er will, ohne den anderen dabei allzu arg auf den Geist zu gehen. Selbst zu Stoßzeiten (Anfang Jänner, wochentags um 18 Uhr) findet man noch Platz. Die Geräte sind stinknormale Geräte, für die man keinen Grundkurs im Programmieren braucht. Die Trainer sind ganz normale Trainer, die nicht gleich dein ganzes Leben ändern wollen, wenn du sie um Hilfe bittest, weil irgendwas klemmt. Und wenn du sie um Hilfe gegen den Metal-Wahnsinn fragst, drehen sie die Musik einfach für ein paar Minuten ab, weil sie nichts anderes tun können: In McFits läuft rund um die Uhr rund um die Welt die gleiche Scheiße.

Sonst gibt es aber nichts auszusetzen, sondern nur zu bewundern. Es gibt die Stiernacken mit obligatorisch von purer Muskelkraft zerrissenen Tanktops, die sich für ihre apokalyptischen Schreie immer mal wieder entschuldigen. Es gibt die Verschämten, die am Rad sitzend die Maria-Theresia-Biografie lesen und eher sterben würden, als sich so etwas wie Sportbekleidung zuzulegen. Es gibt Mutter-und-Tochter-Gespanne, bei denen die Mutter fast immer die Schlankere ist und sich sehr bemüht, sich nicht anmerken zu lassen, dass es ihr hier nicht nur darum geht, mal wieder ein bisschen Zeit mit der Tochter zu verbringen. Es gibt Paare, die einander anfeuern; es gibt Paare, die das ganze Training über kein Wort miteinander reden; und es gibt das eine Paar, das getrennt trainiert, aber in Sichtkontakt bleibt, weil er manchmal ihre Hilfe braucht, um aus seinem Rollstuhl auf ein Gerät zu kommen.

Es gibt die Türken-Gang, deren Begrüßungsritual einer Choreografie folgt, die viel zu komplex für Dancing Stars wäre, und seit kurzem gibt es die Afghanen-Jungs, die sich nach dem Training ihre neuesten Rasiergeräte zeigen. Jede soziale Schicht und jedes Alter ist hier vertreten. Und natürlich jeder Schwitzgrad. Wenn’s mal zu intensiv wird, weicht man aus.

Das zählt genauso zu den unausgesprochenen Abkommen, wie dass es auch okay ist, manchmal als Kollektiv zu starren. Wenn zum Beispiel die Frau mit den Silikonbrüsten und den Silikonlippen aus der Damenumkleidekabine kommt, die ein Bild von sich mit Silikonbrüsten und Silikonlippen als Tattoo auf ihrem Oberarm hat. Das ist dann kurz lustig – aber völlig okay.



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Erschienen im Sommer 2017
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